Kopfbilder

Axel Staudinger gestaltete eine Reihe von großformatigen Bildern, sowie eine Anzahl kleinformatiger Arbeiten, kaum über das DIN-A 3 Maß hinausreichend. Der Bildinhalt differiert jeweils nur formal, bleibt aber grundsätzlich in all diesen Werken gleich - ein oder mehrere 'Porträts' wie sie vom Künstler selbst betitelt werden. Diese Porträts unterscheiden sich jedoch von jenen, die sich explizit mit ganz bestimmten Modellen im Atelier selbst auseinandersetzen, sie sind sowohl eine konsequente Komprimierung und Ausdehnung des Sujets zugleich, und ohne die Atelierporträts nicht  denkbar. Verstärkter als bisher erscheinen uns die Gesichter entindividualisiert, kontemplativ in einer strengen Reihenfolge  aufgefädelt, oder auch heiter verspielt, beinahe wahllos auf der Bildfläche umherpurzelnd. Durch die Beruhigung des Hintergrundes und der Reduktion auf den Kopf vollzieht sich eine ungeheure Verstärkung der Eindringlichkeit der Motive. Es gelingt dem Betrachter nicht mehr seine Aufmerksamkeit vom Gesicht abgleiten zu lassen indem er sich an der umgebenden Raumarchitektur orientiert, das Schwarz auf den großen Leinwänden wie auch das Weiß als Hintergrund auf den kleinerformatigen Blättern lassen Abschweifungen nicht mehr zu. Mindestens 2 Köpfe finden sich auf diesen neuen Arbeiten, in einigen Fällen jedoch bis zu 20 Stück. Sollte der Blick nun aufgrund zu starker lrritation abschweifen  wollen, so fängt er sich sofort wieder im nächsten Porträt. Atemholen, Pausemachen  gilt nun nicht mehr.  Diese Köpfe heben sich farblich  stark vor einem einheitlichen  dunklen, transzendent wirkenden Hintergrund ab. Ein- dringlich blicken sie uns entgegen, scheinen jedoch mehr Fragen aufzuwerfen als zu beantworten, scheinen eher in sich selbst zu blicken als den Diskurs zu suchen.  Eine gewisse ikonenhafte Ausstrahlung lässt sich nicht verleugnen - deutet somit auch über eine rein profane Interpretationsebene  hinaus.   Diese lkonen des Privaten' spiegeln nicht nur Staudingers persönlichen  Wunsch wider, profan erlebtes Glück durch seine Malerei  dem Vergessen zu entreißen und längere Gültigkeit zu verleihen - sie sind Ausdruck unserer Gesellschaft, deren Individuen ihre Suche nach persönlichem Glück und Erfüllung  desselben als übergeordnetes Glaubensprinzip anerkennen. 

Text: Dr. Michaela Preiner, aus „Werkmonografie, Axel Staudinger“, 1997