Erotische Tafelbilder

Text zur Ausstellung: Erotische Bilder und Skulpturen,5.12 2008, ART-X, Graz


„Denn Alle Lust will tiefe, tiefe Ewigkeit - im Kunstwerk ist der höchste Augenblick der Zeit entrissen.“ Keine Erotik ohne Verführung - und keine Verführung ohne Erotik. Erotik ist das Spiel mit der Möglichkeit, dass der sinnlicheLeib mehr und Anderes weiß und will, als der Geist, die Vernunft und die Moral“ (Oscar Wilde schrieb: Sittlichkeit ist lediglich eine Haltung, die man gegenüber unsympathischen Menschen einnimmt). Die unmittelbare Sinnlichkeit des Erotischen kann überhaupt nur in der Kunst den ihrer Erotik gemäßen Ausdruck finden. Zudem wird immer ein Anflug von Scham und Angst beim erotischen Akt dabei sein, weil, wie es Sören Kirkegaard formulierte ( 1844 „Der Begriff Angst“): „ …weil der Geist auf dem Gipfelpunkt des Erotischen nicht dabei sein kann … wohl ist der Geist zugegen … aber er kann sich im Erotischen nicht ausdrücken, er fühlt sich fremd … er will sich verstecken - dies ist eben zugleich Angst und Scham…“. Die Faszination aller Kunst hat auch mit dieser Angstlust zu tun. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass „alle Lust tiefe, tiefe Ewigkeit will”, einerseits, weil die Lust den Geist erlöst indem sie sich ihm verweigert, andererseits, weil sie - die allerhöchste Lust – uns die Unverfügbarkeit der Zukunft ertragen lässt indem die Gegenwart, das hier und jetzt, durch sie andauert, solange wir auf diesem Gipfel sind. Nur die Erfahrung lustvoller Sinnlichkeit kann uns mit dem Unveränderbaren versöhnen.